Rundstreckensport für historische Rennfahrzeuge – „GLPpro“ auf Porsche 924


Wumms….. die Türe ist zu. Gleich wird es viel leiser im Auto. Die Gurte noch mal

festgezurrt und ab jetzt Konzentration. Wir sind im Vorstart zu einem Lauf der „GLPpro“

auf dem Hockenheimring 2019. Um mich herum Alfa Bertone, Autobianchi A 112, Austin

Mini und vollfrisierte Trabant 601. Ganz vorne stehen die schnellen 911 und M3.

14 Wagenreihen vor mir und meinem blauen `78-er Porsche 924 steht ein Funktionär und

hält das Schild „noch 3 Minuten bis zum Start“ nach oben.

Kontrolle Öltemperatur – 70 bis 80 Grad sollten es schon sein bevor es losgeht.

Der Wagen ist zwar serienmäßig, hat aber einen Zusatzölkühler. 6 Liter- das dauert eben.

Noch 2 Minuten.

Weiter vorne hektisches Treiben. Vor allem die jungen und unerfahrenen Piloten warten zu

lange bis sie einsteigen und unterschätzen die Zeit die man für das Anlegen des Helmes,

der Gurte etc. eben braucht. Eine besondere „Vorstartfalle“ gibt es noch für Brillenträger.

Steigst Du nicht rechtzeitig in den warmen Wagen, beschlägt deine Brille vielleicht länger

als Dir lieb ist.

Noch 1 Minute.

Endlich geht es los. Der Tross von 38 Autos in dieser Startgruppe macht sich auf den Weg

auf die Grand-Prix-Strecke und in die Aufwärmrunde. Dann schert der Führungswagen

aus und die Deutschlandflagge gibt den Start frei. Anfahrt im Rudel auf die Nordkurve.

Kurz vor dem Schild „50 m“ angebremst und – juhuuu, endlich wieder richtig sausen!

Motto: Fahren außerhalb des Grenzbereichs ist zwar möglich, aber nicht wirklich

erstrebenswert.

Die Anfahrt zur Spitzkehre nach der „Parabolica“ ist stets etwas heikel.

Man muss aus hoher Geschwindigkeit stark herunterbremsen. Mancher ist versucht „auf

der Bremse“ innen an Dir vorbeizukommen. Oft klappt das nicht. Also gut nach hinten

schauen bevor Du einlenkst. Wenn sich einer übernimmt und geradeaus rutscht, steht er

sonst in Deiner Beifahrertüre.. Diesmal ist es ein Volvo 123 GT der mit Überschuss von

hinten heranrauscht. Uiiii dachte ich – das kann nicht passen…

Ich nehme den Notausgang und fahre einen großen Bogen. Im Rückspiegel sehe ich den

schweizer Piloten „rudern“ um den schlingernen und querstehenden Wagen wieder

einzufangen. Da wäre eigentlich meine Linie gewesen…

Später im Fahrerlager hat er sich für die blechschonende Aktion bedankt.

Völkerverständigung.

Weiter geht`s. Die 3.-Gang-Kurve unter der Mercedes-Tribüne ist besonders bei Nässe

tückisch. Dann geht es im 4. Gang ins Motodrom. Weit raustragen lassen und bloß nicht

auf den grünen „Teppich“ hinter den Curbs kommen. Dort ist es immer glatt.

Anbremsen Sachskurve. 3. Gang. Die einzige Kurve die man auf der Außenlinie genauso

schnell fahren kann wie innen.

Jetzt in die Senke und in die Opelkurve. Schon sind wir wieder auf der Zielgeraden.

Nach 25 Minuten Fahrzeit wird der Lauf abgewunken. Mir sind die kurzen Laufzeiten ganz

recht, hat doch der alte 924 in seiner Serienversion von Haus aus schwache Bremsen.

Vorne die Scheiben des VW K 70 und hinten die Trommeln vom Käfer 1302.

Viel länger würden die nicht durchhalten.

Wer aber ist die „VFV-GLPpro“? Und was sind das für Veranstaltungen auf der

Rundstrecke?

Die „VFV-GLPpro“ ist ein Teil des VfV („Veteranen Fahrzeug Verband“) Sie ist die

Autogruppe des VfV und organisiert Gleichmäßigkeitsprüfungen für historische

Rennfahrzeuge. Gefahren wird im Prinzip nach dem DMSB-Clubsportreglement im

„Modus 2“. Der Fahrer setzt sich selbst in der zweiten Runde eine Zeit, die in mehreren

zufällig gewählten Runden jeweils bestätigt werden muss. Abweichungen werden mit 1

Strafpunkt je Hundertstel-Sekunde gewertet. Fährt man am Limit sind die Zeiten am

gleichmäßigsten. Die Meisterschaft besteht aus 6-8 Wertungsläufen.

Mein letzter Erfolg war ein Klassensieg bei den „Hockenheim Classics“ im September

2019. Dann kam Corona.

Wo wird gefahren? Auf Rennstrecken wie z.B. Hockenheimring, Oschersleben oder

Nürburgring. Es gibt eine Einteilung in Tourenwagen, GT`s, Formelwagen und Prototypen.

Für alle Fahrzeuge gilt: Mindestalter 25 Jahre und Sicherheitsausstattung. Eine

Straßenzulassung reicht schon aus, ein Wagenpass ist nicht unbedingt erforderlich.

Das ist für mich ein großer Vorteil. Hänger und Zugfahrzeug können eingespart werden.

Gewertet wird ja die Gleichmäßigkeit und das geht auch mit seriennahen Wagen…

Im Vordergrund stehen der Spaß an Motorsport, Technik und Benzingespräche.

Unter den Fahrern herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Amateursport wie er sein soll.

Schaut doch mal auf die Internetseite der GLPpro.

Hier ist der Link: www.vfv-glppro.de

Ebenfalls für unseren MSC war schon mehrfach Michael Pulster am Start. (Bild links)

Auf jenem BMW 325i, den vorher Michael Herter über die Nordschleife jagte.

Insbesondere wenn es nach Hockenheim geht, sind viele Fahrer aus der Region am Start.

So z.B. der Ladenburger Johannes Haun auf Porsche 924 S (oben rechts, Mitte), aus dem

benachbarten Schriesheim sind es Axel Vögele auf seinem Mini Cooper und Michael

Allgeier auf dem `82-er Van Diemen Formel-Ford.

Lutz Crackau aus Mannheim (Zagk Formel Ford 2000) holte sogar den Meistertitel in der

Formelklasse zweimal - 2018 und 2019 - in die Kurpfalz.


Kommt doch auch mal vorbei – unser Vorstand war schon da, wie das untere Bild zeigt.


2 bis 3 mal starte ich pro Jahr in Hockenheim. Termine unter www.vfv-glppro.de

Ich freue mich über jeden der die Daumen drückt und hilft, die Flagge des MSC-Dr.-Car-

Benz hochzuhalten.

Sehen wir uns?

Mit besten Grüßen aus dem Ölsumpf

Euer

Michael

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